Gerade bei kleineren Altlastenschadensfällen sind On-Site-Sanierungen oft die logistisch und wirtschaftlich günstigeren Lösungen. Nachfolgend wird eine hochmobile kleine Bodenwaschanlage vorgestellt, die komplett in 13 Containern zum Schadensort transportiert wird und sich in wenigen Tagen auf- und wieder abbauen läßt. Die Lösung der Altlastenproblematik ist nach wie vor eine der großen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Von den vielen möglichen Sanierungstechniken haben sich in den letzten Jahren die Bodenwaschverfahren besonders bewährt.
Diese Technologien gelten als besonders umweltfreundlich, da sie mit bekannten naßmechanischen Verfahrensschritten und Wasser als "Lösemittel" arbeiten. Neben den stationären Bodenaufbereitungsanlagen haben sich auch hochmobile kleine Waschanlagen auf dem Sanierungsmarkt durchgesetzt. Beide Anlagetypen werden von AKW Apparate+Verfahren projektiert und gebaut. Der besondere Vorteil der hochmobilen Waschanlagen liegt in deren kurzen Rüstzeiten, so daß eine On-Site-Sanierung auch von kleineren Schadensfällen wirtschaftlich möglich ist. Nach der Reinigung wird der Boden direkt vor Ort wieder eingebaut und damit entfallen unnötige Transportleistungen.
Erster Einsatz:
Ausgehend von der beschriebenen Problemstellung und der Erfahrung aus Bodenwaschanlagen baute AKW A+V im Auftrag der Duisburger Bauunternehmung Werner Frantzen GmbH & Co. KG eine hochmobile Bodenwaschanlage mit einem Durchsatz von 10 bis 20 t/h. Erster Einsatzort ist ein ehemaliges Bahnbetriebswerk in Kleve. Durch den Einsatz von naßmechanischer Trenntechnik wird der verunreinigte Boden in verschiedene Fraktionen (< 50 µm, 50 µm - 2mm, 2 - 32 mm, 32 - 100 mm) aufgetrennt und gereinigt. Gleichzeitig geschieht eine Abtrennung und Aufkonzentration der Kontaminanten (Schwermetalle, Mineralöle, PAK und Leichtstoffe) im Feinmaterial < 50 µm. Die Aufbereitungsanlage ist so konzipiert, daß die enthaltenen Schadstoff-Fraktionen getrennt anfallen und somit fachgerecht entsorgt werden können. Das anfallende, mit Partikeln und Schwebstoffen belastete Wasser wird über eine Wasserreinigungsanlage geführt und zu Prozeßwasserqualität gereinigt. Aufgrund des neuartigen Anlagenkonzeptes ist eine Abwasserabgabe in der Regel nicht nötig. Zur Verbesserung der Prozeß- und Abwasserqualität ist eine Reinigungsanlage bestehend aus Sandfiltern und Aktivkohleadsorbern integriert.
Sämtliche Maschinen und Aggregate wurden in 13 Transportcontainern untergebracht, um einen hochmobilen Charakter der Anlage zu erreichen. Die Auf- und Abbauzeit läßt sich damit auf wenige Tage beschränken.
Verfahrenstechnische Einheiten:
Die naßmechanische Bodenwaschanlage besteht aus folgenden verfahrenstechnischen
"unit operations":
- Aufgabeeinheit mit Kastenbeschicker
- Bodenwäsche und -läuterung in einer Waschtrommel
- Klassierung mit Siebmaschinen und Hydrozyklonen
- Dichtetrennung mit Wendelscheidern und Setzmaschine
- Entwässerung mit Eindickern und Siebbandpresse
- Prozeß- und Abwasseraufbereitung.
Um Aufkonzentrierungsphänomene an Schadstoffen im Prozeßwasser zu verhindern, wird ein Prozeßwasserteilstrom von etwa 10 % ausgeschleust und über ein Sand-/Kiesfilter von Partikeln weitgehend befreit und anschließend in Aktivkohlefiltern gereinigt. Das so behandelte Wasser kann in den Prozeßwasserkreislauf zurückgeführt oder in die Kanalisation abgeschlagen werden. Die Aktivkohlefilter fungieren gleichzeitig als Festbettreaktoren. Zur O2-Versorgung der auf der Aktivkohleschüttung siedelnden Mikroorganismen ist ein Membran Sauerstoffübertrager parallel geschaltet. Die absorbierten organischen Schadstoffe werden zu CO2, Wasser und anderen anorganischen Stoffen abgebaut und die Aktivkohle gleichzeitig regeneriert. So gelingt es, die Abwasser- bzw. Prozeßwasserqualität zu verbessern und durch die biologische Regeneration die Standzeiten der Aktivkohle zu verlängern. Damit lassen sich die entsprechenden Entsorgungskosten für belastete Aktivkohle deutlich verringern. Mit dieser Anlage wurden mittlerweile im ersten Betriebshalbjahr etwa 5.000 t kontaminierter Boden gereinigt, der anschließend wieder eingebaut werden konnte. Ein wichtiger Beitrag zum Schutz unserer Umwelt und Ressourcen.